Zwischen Kaffee und Krise

Wenn das Leben kein Plan ist – sondern ’ne Baustelle. Hinfallen, aufstehen, weitermachen – so läuft das hier.

Sommer 2014

Die Luft roch nach Grillkohle, Schweiß und dieser ganz speziellen Mischung aus Freiheit und Zukunftsangst. Wir waren jung, verliebt und dachten ernsthaft, ein Badezimmer gemeinsam zu sanieren sei das größte Beziehungsabenteuer, das auf uns zukommen würde.

Unsere erste gemeinsame Wohnung: 75 Quadratmeter Glück auf Ratenzahlung. Zwei Zimmer, eine Küche, null Plan. Die Wände waren noch halb nackt, der Kühlschrank halb leer und unser Kontostand – sagen wir mal – sehr ambitioniert. Aber hey, dafür lief die Fußball-Weltmeisterschaft und Deutschland spielte unerwartet gut. Wenn das kein Omen für den gemeinsamen Lebensanfang war, dann weiß ich auch nicht.

Du – Langzeitstudent mit einem Hang zu Aliens und einem Stundenplan, der eher wie ein Netflix-Wunschzettel aussah. Immer zwischen Hausarbeit und „Ich glaub, ich wechsle noch mal den Schwerpunkt“.

Ich – berufstätig, strukturiert, mit einer Vorliebe für To-do-Listen und frisch entdecktem Putzwahn als Stressventil.
Eine explosive Mischung, aber irgendwie passte sie perfekt in diese chaotische Zeit.

Während draußen die Welt in schwarz-rot-gold taumelte, versuchten wir drinnen, ein Zuhause aufzubauen – mit mehr Gefühl als Farbe an den Wänden.
Wir hatten so viel Hoffnung in unseren Umzug gesteckt, als würden ein paar neue Möbel und ein DSL-Anschluss auch gleich die seelischen Altlasten mit entrümpeln. Spoiler: Haben sie nicht.

Denn obwohl wir uns liebten wie zwei Disney-Charaktere nach einem Songduett, hatten wir auch jeder ein kleines, verletztes Kind im Gepäck – das gerne mal ohne Vorwarnung auf der Couch Platz nahm, Snacks forderte und die Beziehung sabotierte, weil es sich nicht gesehen fühlte.
Und dann waren da noch die Einflüsse von außen. Freunde, die plötzlich zu Beziehungsexpert:innen mutierten, Familienmitglieder mit Meinungen, die niemand bestellt hatte, und Nachbarn mit dem Taktgefühl eines Presslufthammers, die ausgerechnet dann ihre Bohrmaschine entdeckten, wenn wir versuchten, uns nicht zu streiten.

Aber trotzdem: Da war was. Etwas Echtes. Etwas, das trotz Chaos, Kindheitstrauma und finanzieller Rückzahlungsangst irgendwie leuchten wollte.