Zwischen Kaffee und Krise

Wenn das Leben kein Plan ist – sondern ’ne Baustelle. Hinfallen, aufstehen, weitermachen – so läuft das hier.

Kreta

Kreta war schon immer meine Akku-Ladestation.
Meer, Wind, Olivenbäume – und dieser ganz eigene Geruch nach Freiheit, den es so nur dort gibt.
2017 war ich wieder da.
Mal wieder, weil mal wieder was zu Ende gegangen war.
Eine Beziehung, die – rückblickend – nie wirklich hätte sein müssen.
Nicht, weil da nichts war.
Aber was da war, hatte mehr mit alten Mustern zu tun als mit echter Verbindung.
Es fühlte sich an wie Nähe, war aber eher Verwechslung.
Herz verwechselt mit Heimatlosigkeit.

Ich stand in Heraklion am Grab von Nikos Kazantzakis.
Dem Typen mit dem Satz, der mein Leben auf links gedreht hat:
„Ich erhoffe nichts. Ich befürchte nichts. Ich bin frei.“
Bäm.
Wie ein literarischer Vorschlaghammer mit Olivenzweig.
Kein Pathos. Kein Instagram-Zitatkitsch. Nur Wahrheit.
Und in dem Moment wusste ich:
Ich lauf seit Jahren mit offenen Augen in dieselbe Wand –
und jammer dann über die Beule.
Aber diesmal hab ich’s begriffen. So richtig.
Nicht so „Ja, ja, ich arbeite an mir“-mäßig,
sondern mit ehrlicher Wucht und kalten Füßen auf warmem Stein.
Ich hab die Opferrolle abgelegt wie ein zu enges Kleid,
das ich sowieso nie mochte.
Hab mir den Staub aus der Seele geklopft,
und beschlossen, den Tätern von damals
keine Energie mehr zu schenken.
Kein Raum mehr in meinem Kopf. Kein Dauersitzplatz in meinem Herzen.

Das war mein Wake-up-Call. Und ja, der kam von Gott.
Nicht laut. Nicht dramatisch.
Eher so wie ein leichtes Schultertippen,
wenn du dich gerade selbst verlierst.
Und plötzlich drehst du dich um – und merkst:
Da ist was Größeres. Und es meint es gut mit dir.

Johann?
Der war da auch noch irgendwo.
Wie ein Echo aus einem früheren Kapitel,
das ich inzwischen ganz ohne Groll zugeklappt habe.
Diesmal ging’s nicht um uns. Es ging um mich.
Darum, mich selbst mal ernst zu nehmen,
statt mich in Geschichten zu verlieren,
die nie zu mir gepasst haben.
Niederrheinisch gesagt:
Kurz flennen, dann Kaffee, und weiter.

Freiheit beginnt nicht immer mit einem Gefühl.
Manchmal beginnt sie mit einem Grabstein,
einem Satz –
und der Entscheidung, sich selbst nicht länger im Weg zu stehen.