Zwischen Kaffee und Krise

Wenn das Leben kein Plan ist – sondern ’ne Baustelle. Hinfallen, aufstehen, weitermachen – so läuft das hier.

13. Juli 2014

Deutschland im Ausnahmezustand – und wir mittendrin.

WM-Finalabend bei Johanns Familie, in der zur Partylounge umgebauten Garage seines Vaters.
Bier in der einen Hand, Cocktail in der anderen, und mindestens vier verschiedene Chips-Sorten auf dem Tisch.
Vater, Mutter, Schwestern, Schwager – alle da.
Ein familiäres Public Viewing deluxe.
Ich – als Gladbachfan natürlich vollkommen aus dem Häuschen, weil Chris Kramer in der Startelf stand.
Wen interessierte da noch Götze?
Okay, später dann schon.
Aber wie Kramers Geschichte an dem Abend ausging, wissen wir ja mittlerweile alle.
(Spoiler: es wurde kurz schwarz, dann leer, dann Auswechslung.)

Als Götze das Ding in der 113. Minute reinballerte, brach die Garage auseinander.
Noch ein paar Minuten zittern und dann war Deutschland Weltmeister!
Und wir auch ein bisschen. Zumindest fühlte es sich so an.
Der Rückweg nach Moers?
Fenster runter, Musik laut, wir grölen „Ein Hoch auf uns“ und tun so, als hätten wir das Spiel persönlich gewonnen.
Es war dieser eine perfekte Moment, in dem alles stimmte.
Dachte ich.
Was ich nicht wusste:
Während ich noch in schwarz-rot-goldenem Rausch badete,
war Johann innerlich schon beim nächsten Spielzug.
Allerdings nicht auf dem Platz, sondern in seinem Kopf.
Da hatten sich nämlich die ersten Zweifel eingewechselt – über mich, über uns.
Leise. Ohne Vorwarnung.
Ich feierte uns, er überlegte, ob er in der 87. Minute innerlich schon ausgewechselt werden sollte.
Manchmal gewinnt man eben ein Turnier –
und verliert gleichzeitig ein bisschen Teamgeist im eigenen Leben.